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Macht und Rebel

Wednesday, February 22nd, 2006

“Ich habe mich bisher immer der Linken zugehörig gefühlt. Warum eigentlich? Vielleicht, weil ich sie für rebellischer hielt…”

Der Sinn und das Wie des Protests im reichen, sozialdemokratischen Norwegen, vor allem das sind die Themen im neuen Buch des skandinavischen Autors und Künstlers Matias Faldbakken. Während sein erstes Buch noch ein lautes Nein zu Konsens und Spießertum war, überwiegen im neuen Roman die Zweifel an Rebellion und Gegenkultur. Zwar spielt das Buch in der linken Szene, doch keiner der beider Helden Macht und Rebel fühlen sich hier heimisch. Rebel, irgendwo zwischen 25 und 30 Jahren alt, widert die Heuchelei, die inhaltslosen Phrasendrescher, die drogenabhängigen, versifften “Sinnstifter” an, längst selbst zum Produkt und Karikatur geworden, die vor allem der lifesyle-Industrie durch ihren Zwang zum Anderssein und den daraus vielfältig entstehenden trends in die Karten spielen.
Hier tritt der aalglatte coolhunter Macht auf, der den underground nach neuen trends abgrast und diese dann an Großunternehmen wie Nike verscherbelt und im Laufe des Romans auf Rebel stößt, der in seiner ego crisis, im Streben nach Individuation und Identifikation, die letzten Tabus zu brechen versucht. Er verfasst politische Reden in denen er Teile aus Mein Kampf sampelt und beginnt eine sexuelle Beziehung mit den preeteen-Problemkindern Thong und Thong jr.
Ein unter dem Verdacht des Antisemitismus geratene Firma braucht dringend einen radikalen Imagewandel und bittet Macht für diesen zu sorgen. Macht beschließt einen Angriff auf den stärksten Konkurrent der Firma. Er liest begeistert Rebels reden und spannt ihn mit in die Aufgabe ein. Sie benutzen ihre blendenden Kontakte zum linken underground und hetzen diesen gegen den Konkurrent der Firma auf, sie verraten natürlich nichts von ihren ominösen Auftraggebern…
Der pädophile Leader des osloer Untergrund Fatty, mobilisiert seine Mitstreiter und lässt das Firmengebäude am Stichtag von einer Horde lefties in orangenen Guantanamo-Anzügen stürmen…

Die Heuchelei, der selbst zur Ware degenerierten Kapitalismuskritik, ihre Sinnlosigkeit in Zeiten des weitgehend erfolgreichen Sozialdemokratismus, diese Themen sind auch Gegenstand des Sachbuchs “Konsumrebellen - Mythos der Gegenkultur” von den kanadischen Journalisten Joseph Heath und Andrew Potter. Die beiden ehemaligen Protestler und Globalisierungskritiker attestieren dem Kapitalismus eine hervorragende Gesundheit und wichtiger, ein fantastisches Abwehrsystem: schluckt er doch wie eine riesige Makrophage jedwede Form des Protests, der Gegenkultur und scheidet diese verdaut also mainstreamkonform als fertiges Produkt wieder aus. “Punk’s dead”.
Die beiden gehen weiter und stellen die in den Antikapitalistenohren wahrscheinlich fürchterlich provokante Frage, wozu Protest? Die Sozialdemokratie habe gewonnen und für eine mehr oder weniger gerechte Waren- und Güterverteilung gesorgt. Als Hauptaugenmerk bleibt die globale Ungerechtigkeit übrig, die aber, wenn, dann nur durch einen vernünftig und besser genutzten Kapitalismus überwunden werden könne.